Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909 über Musäus

Johann Karl August Musäus, Schriftsteller, geboren 29. März 1735 in Jena, gestorben 28. Oktober 1787 in Weimar, studierte seit 1754 in Jena Theologie, wurde 1763 Pagenhofmeister am weimarischen Hof, 1770 Professor am dortigen Gymnasium.

Seine erste literarische Veröffentlichung war: »Grandison der Zweite« (1760-62, 2 Bde.; später umgearbeitet: »Der deutsche Grandison«, 1781-82, 2 Bde.), womit er dem schwärmerisch-sentimentalen Enthusiasmus für den gleichnamigen Roman des Engländers Richardson satirisch entgegenwirken wollte. Dann folgten die gegen Lavater gerichtete Satire »Physiognomische Reisen« (1778-79, 4 Hefte) und die »Volksmärchen der Deutschen« (1782-86, 5 Bde., u. ö.), welche die aus dem Volksmund genommenen Märchen- und Sagenstoffe keineswegs in naiv volksmäßiger Gestalt wiedergeben, sie vielmehr in Wielands Manier mit allerlei satirischen Streif- und Schlaglichtern ausstatten, aber dennoch durch joviale Laune, liebenswürdige Schalkhaftigkeit und lebendige Anmut des Vortrags, die aus ihnen spricht, einen eigentümlichen Reiz besitzen. Unter Musäus übrigen Schriften sind hervorzuheben: »Freund Heins Erscheinungen in Holbeins Manier« (1785), Darstellungen mehr betrachtender als erzählender Manier, und die Sammlung von Erzählungen: »Straußfedern« (1787, Bd. 1). Seine »Nachgelassenen Schriften« wurden mit Charakteristik herausgegeben von seinem Verwandten und Zögling August von Kotzebue (1791).

Meyers Großes Konversations-Lexikon. Sechste Auflage 1905-1909

Quelle: Goethezeitportal

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